Schneeschuhtour Sellrain

Umhausen, Ötztal 15:30, Sonnenschein. Nach einer überraschend entspannten Anfahrt steige ich am Nachmittag noch in den Stuibenfall Klettersteig ein. Meine Pension ist gleich um die Ecke und ich habe gelesen, dass der Steig auch gut im Winter machbar ist. Die Wege sind noch stark verschneit und mit Eis bedeckt. Das Tal ist schon etwas schattig. Der Einstieg ist Gewöhnungsbedürftig: Eine Seilbrücke führt über den Bach unterhalb des Wasserfalls, dann auf einem Wanderweg Richtung Wand. Die ersten Meter im Steig sind einfach. Ich klettere zur Sonne um zum Panorama, was die Beschreibung versprochen hat. Der einfache, massiv gesicherte lässt sich im unteren Teil sehr gut meistern. Es stellt sich ab und an die Frage ob so viel Stahl wirklich notwendig ist um einen Steig der Kategorie C abzusichern. Gekommen war ich ganz alleine nun bemerke ich, dass ich beobachtet werde. Mehrere Personen schauen mit zu wie ich über die exponierteren Stellen des Steiges gehe. Ich winke ihnen zu; Sie drehen sich um und gehen weiter.
Es ist tropfnass im Steig. Auch wenn kein Restschnee mehr liegt tropft der schmilzende Restschnee von oben herab; an manchen Stellen fühlt es sich an wie kalt duschen. Nach oben wird es etwas schwieriger und spektakulärer. Hinter einem Absatz kommt der Stuibenfall zum Vorschein und ich klettere immer weiter darauf zu bis der Weg schließlich über eine weitere Seilbrücke direkt über der Abbruchkante des Wasserfalls verläuft. Es ist sehr spektakulär den Wasserfall aus dieser Perspektive zu sehen und es ist ein schönes Finale eines kurzen aber schönen und relativ einfachen Steiges.

Was macht man wenn man kein Skilaufen kann und trotzem Touren im Winter machen möchte? Richtig Schneeschuhtouren. Wenn man den Statements der echten Alpinisten und Skitourengehern glaubt, handelt es sich bei Schneeschuhtouren um so eine Art Behindertensport für diejenigen, die nicht in der Lage sind mit Skiern einen Hang hinunterzufahren. Also für so Leute, wie mich und deswegen bin ich eigentlich hier.

Niederthai Ötztal 10:30, der Skibus bringt mich zum Start unserer Tour. Helene Fischer dröhnt aus den Lautsprechern als wir bei der weiß geputzten Kirche vor dem Bergpanorama halten. Ötztal, du erfüllst mal wieder jedes Klischee. Noch zweieinhalb Stunden bis zum Start der Tour. Ich setze mich auf die Bank und schaue der Clubmeisterschaft auf dem nahegelegenen Hand zu. Skifahren können wäre schon echt gut… Später heißt es dann: Aufi geht’s – auf die Schweinfurter Hütte.


Meine ersten Schritte auf Schneeschuhen sind immerhin erfolgreicher, als meine ersten Meter auf Skiern. Eigentlich ist es ganz einfach: wie mit Grödeln nur etwas breiter. Auch, wenn ich schon einige Male im Winter in den Bergen war, eine Hüttentour hatte ich bisher noch nicht. Ich stelle es mir kalt vor und irgendwie hart. Auf unserer ersten Tour sollte das bestätigt werden. Windig, grau und vor allem kalt, so stellt sich unser erster Tag dar. Es geht hinauf zum Zwieselbachjoch, nicht sehr steil aber lang. Es ist in gewisser Weise beeindruckend diese Welt zu sehen. Man sieht alles, aber auch irgendwie nichts. Es ergibt sich für das Auge keine Kontur im Schnee, der Himmel gibt das dazu den passenden Grauton vor. Monumental türmen sich die Kämme recht und links von uns auf. Kurz vor dem Joch machen wir Pause und beschließen umzukehren. Schneefall kommt hinzu und es die klält kriecht so langsam in mir hoch. Es ist genau es, wie ich es mir vorgestellt habe. Es wird eine lange Tour und schließlich sind wir froh wieder auf der Schweinfurterhütte anzukommen.

 


Neuschnee! Es hat einige Zentimeter gechneit; die Spuren der Skitourengeher von gestern wurden verwischt – es sieht alles so frisch aus. Wir gehen in Richtung der Hohe Wasserfalle. Die Sonne bricht durch die lockere Wolkendecke und formt Konturen in das Tal. Während des Aufstiegs beobachte ich eine Gruppe Skitourengeher auf ihrem Weg zum benachbarten Joch. Wie winzig sie in dieser wirken, ein bisschen verloren in dieser Welt aus Schnee. Unterhalb der Hohen Wasserfalle machen wir unsere Mittagspause und genießen den Ausblick und die immer weiter aufreißenden Wolken.


Gipfeltour bei bestem Wetter! Auch wenn die Kraspesspitz kein herausregender Berg ist,  wo zu stehen, wo es nicht mehr höher geht ist immer ein tolles Gefühl. Vorbei die Eindrücke des ersten Tages; Sommer im Winter. Die Sonner brennt, dass es sich wie 20 Grad (plus) und nach einer Sommertour anfühlt. Der amtliche Aufstieg über die Kuppe direkt vor der Hütte tut sein Übriges. Wir kommen an den Spuren der Tourengeher vorbei. Wenn man ganz leise ist und genau hinhört können wir sie noch leise lache hören. Während sie mit (zumindest in meinr Verstellung) grazilen Schwüngen den Hang auf ihren Skieren zurück zur Schweinfurter Hütte gleiten, müssen wir später den ganzen Weg wieder zurück laufen. Skifahren müsste man können. Der Gipfel ist aber für alle da und so genießen wir den Gipfelausblick ins Kühthai mit dem Finstertaler Stasee

 


Weil es gestern auf der raspresspitz so gut war, gehen wir gleich wieder in die Richtung, biegen aber links zum Schartenkopf ab. Wieder keine Wolke am Himmel.

 

 


Foo bar

 

 

Was bleibt: